Weltweit sind Geburten von Großen Ameisenbären in Menschenobhut selten – in den vergangenen 12 Monaten waren es nur 20. Der kleiner tollpatschige “Rüssler” aus dem Zoo Magdeburg, der am 8. Februar 2021 geboren wurde, gehört zu diesen zoologischen Seltenheiten. Seit 2001 zählt der Große Ameisenbär zum Tierbestand des Zoos. Der Erstzuchterfolg im ZOO Magdeburg bei dieser gefährdeten Nebengelenktierart gelang im Jahr 2005. Das jetzige Jungtier ist die fünfte Nachzucht des Zuchtpärchens “Estrella” und “Kaspar”. Wie die Entwicklung des jüngsten Ameisenbären-Sprösslings in Magdeburg verläuft, können Sie in dem Tagebuch des Großen Ameisenbären mitverfolgen.

Die englische Version finden Sie hier: Diary of the Giant Anteater

Tagebuch Großer Ameisenbär

14. April 2021

Liebes Tagebuch,

Wir haben soooo viele tolle Zeichnungen bekommen von Kindern, die am Malwettbewerb teilgenommen haben. Viele haben mich mit meiner Mama bei meinem ersten Zooausflug gezeichnet. Einige haben meine Nachbarn – die Tapire – in ihrem Bild verewigt. Oft waren Ameisen auf den Zeichnungen zu sehen und, passend zu den Osterferien, auch viele bunte Ostereier. Es war wirklich schwer einen Gewinner auszusuchen, das kannst du mir glauben liebes Tagebuch, doch am Ende wurde das Bild von Mara K. ausgewählt, welches hier neben dem Tagebucheintrag zu sehen ist. Sie hat mich bei einem Ausflug in das Außengehege gemalt und sich ebenfalls von Ostern inspirieren lassen. Joshua G. und Ineke S. belegen den zweiten und dritten Platz. Diese Drei erhalten alle einen Gutschein für eine Kinderführung durch den Zoo. Wir bedanken uns bei allen Kindern, die teilgenommen haben und lassen euch allen ein kleines Dankeschön per Post zukommen.

10. April 2021

Liebes Tagebuch,

Um mich mit der Hand zu füttern, haben meine Tierpfleger mir ein Fläschchen angeboten. Aus diesem wollte ich aber nicht so recht trinken. Etwas verkleckerte Milch probierte ich dann doch und ich merkte dabei, die Milch  schmeckte mir sogar. Da sich aber in meinem Ersatzquartier hervorragend um mich gekümmert wird, bekomme ich meine Ersatzmilch jetzt in einem Schälchen serviert. So habe ich schnell begriffen, dass ich mein Futter da hinaus schlabbern muss und nehme jetzt meine Mahlzeiten auf diese Weise zu mir. Ein wenig an Gewicht konnte ich auch schon wieder zulegen und alle hoffen, dass es so weitergeht.

07. April 2021

Liebes Tagebuch,

da ich in letzter Zeit nicht genug an Gewicht zugelegt habe, werde ich nun von den Tierpflegern „künstlich aufgezogen“. Ich bekomme Ersatzmilch und bin auch schon fleißig am Trinken. Mich jedes Mal von meiner Mutter zu trennen, um mir eine Spezialmilch zu verabreichen, wäre für uns beide zu stressig, daher ist dies die bessere Lösung. In nächster Zeit werde ich daher nicht im Ameisenbär-Gehege zu finden sein. In meinem Ersatzgehege bin ich gut versorgt und auch der Tierarzt schaut regelmäßig nach mir.

04. April 2021

Liebes Tagebuch,

Frohe Ostern! Große Ameisenbären, wie ich einer bin, kommen in der Wildnis ja in über 10 verschiedenen Ländern Mittel- und Südamerikas vor. In allen diesen Ländern sind auch Osterbräuche bekannt. Die „Semana Santa“, also „Heilige Woche“ dauert in den meisten Regionen, wie bei uns, von Gründonnerstag bis Ostermontag. Vor der Osterzeit wird ebenfalls gefastet und an Karfreitag gibt es meist Gerichte mit Fisch. Am Ostersamstag wird mancherorts aber bereits ausgiebig gefeiert. Auch Osterfeuer stehen hier auf dem Plan. In einer Stadt Perus werden die Straßen mit einem wahren Meer aus Blütenblättern geschmückt. Viele Städte zelebrieren Ostern mit großen Prozessionen, die an deutsche Karnevalsumzüge erinnern. Die indigene Bevölkerung Ecuadors feiert zu Osterzeit Neujahr und begeht dieses mit einem Bad im Fluss. Osterhasen und Ostereier spielen in den meisten Ländern, in denen es Große Ameisenbären in der Natur gibt, keine bedeutende Rolle.

02. April 2021

Liebes Tagebuch,

bis ich selbst von diesem leckeren Brei nasche, dauert es noch etwa ein Monat, auch wenn ich mittlerweile immer häufiger neugierig daran schnüffle. Bis es so weit ist, gilt es, meine Mama ganz genau beim Fressen zu beobachten. Erst muss sie mit ihrem lang nach vorne gezogenen Schädel ganz genau zielen. Denn die Zunge kann nur nach vorne oder hinten, nicht aber seitlich bewegt werden. In dem langen, schmalen Schädel hat sie dafür ja gar keinen Platz.  Die Zunge kann etwa 3-mal pro Sekunde rein und raus bewegt werden! Hui, da wird mir ganz schwindlig beim Zusehen… Diese schnelle Bewegung ist dadurch möglich, dass die Zunge bei Ameisenbären kaum mit dem Zungenbein verbunden ist. Ich freue mich schon auf meinen ersten breiigen Snack!

30. März 2021

Liebes Tagebuch,

Links von meiner Mama und mir lebt mein Papa Kasper. Erwachsene Ameisenbären sind auch in der Wildnis Einzelgänger, weshalb es ihn nicht stört, dass er momentan keinen direkten Kontakt zu uns hat. Riechen können wir uns vor allem wenn wir gleichzeitig im Freien sind, denn da sind unsere Bereiche nur durch einen Zaun getrennt. Mein Papa Kasper wurde am 13. Juli 2000 im Zoo Dortmund geboren und kam mit knapp einem Jahr in den Zoo Magdeburg. Mit meiner Mama Estrella hat er hier schon etliche Male für Nachwuchs gesorgt. Das war vor mir das letzte Mal 2011 der Fall.

27. März 2021

Liebes Tagebuch,

Ich habe heute schon ganz viele fröhliche Kindergesichter gesehen. Das kann nur bedeuten, dass jetzt tatsächlich die Osterferien begonnen haben. Ich laufe noch immer nicht wirklich selbstständig herum, sondern lasse mich lieber am Rücken meiner Mama tragen. Da ich so gut getarnt bin, bin ich dort fast so schwer zu finden wie ein Osterei. Ich hoffe, den Kindern macht es genauso viel Spaß mich zu suchen.

25. März 2021

Liebes Tagebuch,

Übermorgen beginnen die Osterferien und für Kinder gibt es jetzt eine tolle Mitmach-Aktion zum Tagebuch. Sie dürfen sich nämlich ihren allerliebsten Tagebuch-Eintrag aussuchen und dazu ein Bild malen! Gewinnen können sie dabei auch noch etwas, nämlich eine Führung mit ihren Freunden durch den Zoo und das Beste ist, das Bild des Gewinners werden wir sogar für einen unserer Tagebuch-Einträge verwenden, so dass es jedermann sehen kann. Ist das nicht großartig? Ich bin so gespannt was die Kinder einsenden werden und welche Tagebuch-Einträge sie wählen werden und wie sie ihre Bilder gestalten werden. Verwenden sie Wasserfarben, oder Wachsmalkreiden, Buntstifte oder Filzstifte, zeichnen sie mich alleine oder mit meiner Mama…? Hach… so viele Möglichkeiten! Details zum Malwettbewerb sind übrigens hier zu finden.

23. März 2021

Liebes Tagebuch,

Ich, als fast eineinhalb Monate alter Ameisenbär-Spross, habe mehrere Hobbies. Zum einen liebe ich es, mich auf dem Rücken meiner Mama tragen zu lassen und mir die Welt von ein bisschen weiter oben anzusehen. Besonders wenn mich die Sonne von oben und das Fell meiner Mama von unten wärmt, genieße ich es an diesem Plätzchen zu sitzen. Zum anderen bin ich aber auch gerne in unserem Innengehege, wo ich mich ganz eng an meine Mama kuschle und meiner zweitliebsten Beschäftigung nachgehe, dem Schlafen. Auch meinem dritten Hobby kann ich hier in Ruhe frönen, nämlich Milch trinken so viel ich möchte, damit ich weiterhin groß und stark werde.

21. März 2021

Liebes Tagebuch,

Gestern hat der Frühling begonnen. Sehr viel merke ich davon noch nicht, denn es ist für einen Ameisenbären noch immer recht kalt, doch immerhin ließen sich auch ein paar Sonnenstrahlen blicken. Ein paar weitere Frühlingsboten gibt es auch in meinem Gehege, sowie im ganzen Zoo zu entdecken. Mit meinem guten Geruchssinn kann ich Krokusse, Schneeglöckchen, Hyazinthen und Netzbandirisse riechen. Die blühenden Pflänzchen sind ja wirklich hübsch anzusehen, doch sie zu verspeisen kommt uns Ameisenbären nicht in den Sinn. Wir bleiben lieber bei unserer Insektenkost und ich vorerst noch bei Mamas Milch.

19. März 2021

Liebes Tagebuch,

Ich bin so gut ausgeschlafen. Hier in unserer Stube ist es wirklich sehr schön ruhig. Auch die Menschen, die uns besuchen wollen, verhalten sich immer sehr rücksichtsvoll und leise, wenn sie uns durch das Fenster beobachten. Das finden wir großartig, denn so kann ich mich weiterhin prächtig entwickeln! Ich freue mich aber auch schon wieder darauf mit meiner Mama durch das Außengehege zu spazieren. Ich hoffe der Wind macht uns am Wochenende keinen Strich durch die Rechnung.

17. März 2021

Liebes Tagebuch,

heute bekamen wir ganz besonderen Besuch und ich war mit meiner Mutter bei etwas Sonnenschein sogar draußen unterwegs. Der Zoochef brachte einige Gäste mit, die mich ausgiebig bestaunten.

Dann hieß es: ab sofort habe ich einen Paten.   Es ist der neue MMKT-Geschäftsführer, Hardy Puls. Er kennt Magdeburg erst so lang, wie ich alt bin. Er gehört also zu den ganz neuen Magdeburger – genau wie ich. Jetzt freue ich mich auf weitere staunende Besucher, die mich unbedingt auch einmal sehen möchten.

15. März 2021

Liebes Tagebuch,

Damit es uns Großen Ameisenbären in Menschenobhut gut geht, gibt es allerhand Anforderungen, die Zoos umsetzen müssen, wenn sie unsere Art halten wollen. Sie sind im sogenannten „Säugetiergutachten“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft beschrieben. Zum Beispiel muss unser Außengehege mindestens 40m² pro Tier groß sein. Es soll außerdem Sand- oder Naturboden besitzen und so strukturiert sein wie eine Grassavanne. Dazu tragen unter anderem Büsche, morsche Baumstämme, niedriges Strauchwerk und Sandflächen bei. Da Große Ameisenbären ihren Kot gerne ins Wasser absetzen, soll auch eine Bademöglichkeit vorhanden sein. Im Innengehege darf es nicht unter 15 C° haben und für unsere Liegeflächen ist eine Bodenheizung erforderlich.

13. März 2021

Liebes Tagebuch,

schaut mal, wie geschickt ich mich schon beim Klettern bewege und wie nützlich dabei meine kräftigen, kleinen Krallen sind. Meine Mutter “Estrella” ist gerade mehr begeistert von ihrem Mittagsmenü und lässt sich einfach gerade nicht beeindrucken von meinen Künsten. Na dann erst mal “Guten Appetit!”

12 März 2021

Liebes Tagebuch,

Was ist denn bloß heute los? Vormittags ging es gar nicht nach draußen – es war sehr windig. Meine Mutter “Estrella” möchte heute anscheinend keinen Schritt nach draußen wagen. Nun, hier drin ist es schön kuschlig warm – genau richtig für uns Südamerikaner.

Mal sehen, was mich Morgen erwartet. Jetzt schlafe ich erst einmal.

11. März 2021

Liebes Tagebuch,

Mmmh, auf meine Milchmahlzeit freue ich mich immer sehr. Noch etwa sechs Wochen bekomme ich ausschließlich diese leckere Muttermilch. Mal sehen, was mir danach angeboten wird. Übrigens stecke ich meine Zunge heraus beim Trinken – so kann ich am besten meine Milchmahlzeit aufnehmen.

Meine Mutter “Estrella” deckt mich behutsam mit ihrem buschigen Schwanz ab. Ich fühle mich damit sooo gut beschützt und bin sehr froh, dass ich so fürsorglich umsorgt werde.
Es ist so gemütlich!

10. März 2021

Liebes Tagebuch,

Um unsere Art auch in der Natur zu erhalten wird immer mehr geforscht. Denn je mehr man über uns Große Ameisenbären weiß, desto besser kann man uns helfen. Da auch Buschbrände unseren Bestand in der Natur dezimieren, versucht man Maßnahmen zum Brandschutz zu finden. Außerdem wird die Bevölkerung aufgeklärt, denn auch wenn wir Ameisenbären keine gefährlichen Tiere sind, verteidigen wir uns, wenn wir bedrängt werden. In einem Reservat im Nordosten Argentiniens wurden im Rahmen eines Artenschutzprojekts bereits vor einigen Jahren Große Ameisenbären wiederangesiedelt. Man konnte dann ihre Habitatwahl beobachten und auch daraus Rückschlüsse ziehen.

09. März 2021

Liebes Tagebuch,

Gestern habe ich dir erzählt, dass sich der Zoo Magdeburg am Erhaltungszuchtprogramm für Große Ameisenbären beteiligt. So ein Programm gibt es für einige bedrohte Tierarten und so auch für uns. Die IUCN (International Union for Conservation of Nature) stuft den Großen Ameisenbären in der Natur als „gefährdet“ ein. Der Hauptgrund dafür ist die Zerstörung des Lebensraums von Großen Ameisenbären in Süd- und Mittelamerika. Wegen der Zerstückelung des Habitats durch Straßen sterben auch immer mehr Große Ameisenbären als Verkehrsopfer, denn sie sehen besonders nachts nicht besonders gut. Was zum Schutz der Ameisenbären noch getan wird, erzähle ich dir morgen…

08. März 2021

Liebes Tagebuch,

Vor genau einem Monat bin ich auf die Welt gekommen! Ich entwickle mich bestens und alle drücken die Daumen, dass das so bleibt. Ich werde nämlich im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms, kurz EEP, für Große Ameisenbären gehalten. Dieses Programm wird vom Zoo Dortmund koordiniert und dient dazu, unsere Art zu erhalten. Der dortige Zuchtbuchkoordinator wählt auch aus, welcher Ameisenbär sich mit welchem anderen paaren darf und wo der Nachwuchs später einmal hin soll. So wird unter anderem Inzucht vermieden und die Große Ameisenbär-Population in Zoos bleibt gesund und stabil. Ich frage mich was der Zuchtbuchkoordinator für meine Zukunft vorgesehen hat…

Flachlandtapir

07. März 2021

Liebes Tagebuch,

Bei meinem letzten Ausflug ins Außengehege habe ich zum ersten Mal unsere Nachbarn gesehen. Auch sie haben etwas seltsam aussehende Nasen, dennoch sind sie nicht mit uns Ameisenbären verwandt. Es handelt sich um Tapire!  Sie leben zwar auch wie wir in Südamerika, im Gegensatz zu uns bewohnen sie aber nur den Regenwald. Mit ihrem Rüssel und ihrem guten Geruchssinn spüren sie ihre Nahrung auf, die aus Gräsern, Zweigen Blättern und sogar auch Fallobst und Wasserpflanzen besteht.

06. März 2021

Liebes Tagebuch,

Obwohl es nun freie Sicht auf mich gibt, kann man mich nicht immer leicht entdecken. Oft verstecke ich mich ganz dicht an meiner Mama und bin durch meine Tarnung fast überhaupt nicht zu sehen. Nur meine kleinen Öhrchen ragen dann zwischen ihrem Fell hervor. Oder gelingt es etwa dir, mich auf dem Foto links zu finden?

05. März 2021

Liebes Tagebuch,

Diese Woche wurde der Lehm von unseren Fensterscheiben gewischt, sodass die Besucher mich endlich auch drinnen bestaunen können und es kamen auch schon einige Zweibeiner vorbei, um mir „Hallo!“ zu sagen. Vom Rücken meiner Mama aus kann ich gut nach draußen spähen. Obwohl mich alle gerne näher betrachten möchten, soll natürlich niemand gegen die Scheibe klopfen und uns so aufwecken. Daher steht vor unserer Scheibe noch ein Absperrung. Für meine Mama und mich hist es nämlich immer noch wichtig, dass wir die notwendige Ruhe bekommen.

04. März 2021

Liebes Tagebuch,

Mein Ausflug in das Außengehege war richtig aufregend. Gut festgeklammert auf dem Rücken meiner Mama ging es raus an die frische Luft. Und die war für einen Ameisenbären wirklich ziemlich frisch und kalt. Überhaupt sieht es hier ganz anders aus als in der eigentlichen Heimat Großer Ameisenbären, obwohl wir auch in Mittel- und Südamerika unterschiedliche Lebensräume bewohnen. Wir sind dort nämlich nicht nur im tropischen Regenwald, sondern auch in Sumpflandschaften und Savannen, wie dem Pantanal, zu finden. Wir kommen wirklich in vielen Umgebungen zurecht, Hauptsache es gibt genügend Termiten und Ameisen zum Fressen. Auch wenn es hier anders aussieht, werde ich solche Spaziergänge mit meiner Mama jetzt wohl immer öfter unternehmen.

03. März 2021

Liebes Tagebuch,

heute unternehme ich meinen ersten offiziellen Ausflug nach Draußen. Zusammen mit meiner Mama werde ich nun endlich auch unser Außengehege genauer begutachten. Ich bin schon gespannt was mich dort erwartet. Doch zuvor werde ich nochmal üben, mich ganz fest an meiner Mama anzuklammern. Schließlich will ich nicht riskieren, auf dem unbekannten Terrain von ihrem Rücken zu fallen. Morgen erzähle ich dir wie mein erster Ausflug gelaufen ist. Wünsch mir Glück!

02. März 2021

Liebes Tagebuch,

heute kam ich erneut auf die Waage. Revierleiterin Petra Oppermann setzte mich für Sekunden auf die Waage. Schaut selbst: es sind wieder viele Gramm hinzu gekommen. Zufrieden schrieb Petra Oppermann mein Gewicht in das Datenbuch. Momentan sehen mich nur sehr wenige Menschen. Ob sich dies bald ändert?

01. März 2021

Liebes Tagebuch,

Jeder will schon wissen, ob ich ein Männchen oder Weibchen bin – die Tierpfleger, meine Fans die Besucher und auch die Leute von der Presse. So einfach ist das aber bei einem Ameisenbären nicht zu erkennen und schon gar nicht, wenn ich noch so klein bin. Daher lasse ich alle noch ein bisschen warten… obwohl, schön wäre es schon bald mal einen Namen zu bekommen.

28. Februar 2021

Liebes Tagebuch,

Wenn ich so neben meiner Mama liege, dann könnten ihre langen, scharfen Krallen einem schon fast Angst einflößen. An allen fünf Zehen der Vorderfüße hat sie Krallen, aber nur die drei mittleren sind sichelförmig und mit ca. 15 Zentimetern richtig groß. Wenn sie läuft, klappt meine Mama ihre Krallen nach unten und läuft auf den Knöcheln damit sie ihr nicht im Weg sind, ähnlich wie ein Schimpanse. So werden sie außerdem auch nicht stumpf. Das ist wichtig, denn in der Wildnis brauchen Ameisenbären ihre Krallen neben der Verteidigung vor allem, um an Nahrung zu gelangen. Mit der „Haken-Zug-Methode“ stecken sie dann die Krallen in eine kleine Öffnung des Termitenbaus und ziehen dann die kräftigen Vorderfüße zurück. Und schon kann die Insektenkost verspeist werden!

27. Februar 2021

Liebes Tagebuch,

Ich selbst bin ja noch nicht mal drei Wochen alt, doch Ameisenbären gibt es auf der Welt schon seit 54 Millionen Jahren! Zu dieser Zeit spalteten sich die Ameisenbären von ihren nahen Verwandten den Faultieren ab. Zusammen bilden wir die Ordnung der Zahnarmen. Der Name kommt ganz einfach daher, dass wir Ameisenbären überhaupt keine Zähne besitzen und Faultiere lediglich 18 Stück. Ameisenbären und Faultiere sind außerdem noch mit den Gürteltieren verwandt. Sie alle drei gehören zur Überordnung der Nebengelenktiere. So unterschiedlich wir drei aussehen, haben wir doch alle etwas gemeinsam, nämlich unter anderem zusätzliche Gelenke an den unteren Bauch- und den Lendenwirbeln.

Heute brachte ich schon 1320 Gramm auf die Waage. Foto: Petra Oppermann

26. Februar 2021

Liebes Tagebuch,

Heute wurde ich bereits zum dritten Mal gewogen und ich habe schon ordentlich zugelegt. Einmal pro Woche werde ich auf die Waage gesetzt. An meinem vierten Lebenstag wog ich genau 1200 Gramm, in der zweiten Woche nahm ich dann 50 Gramm zu und heute bringe ich bereits 1320 Gramm auf die Waage. Vermessen wurde ich auch noch. Meinen Pflegern machte ich es nicht leicht, genau zu sehen wie lang ich bin, denn ich wollte mein Näschen nicht ruhig halten. Sie haben es aber dann doch geschafft und wissen jetzt: Von der langen Nasenspitze bis zum Schwanzende bin ich 60 Zentimeter lang. Doch ich werde noch ein erhebliches Stück wachsen. Ein adulter Großer Ameisenbär wiegt etwa 30 – 35 kg und ist insgesamt fast 2,5 Meter lang. Der lange Schwanz macht dabei fast die Hälfte der gesamten Körperlänge aus und der Schädel nimmt zirka 20 Zentimeter davon ein.

25. Februar 2021

Liebes Tagebuch,

meinen Papa Kasper habe ich noch nicht kennengelernt, denn wir Ameisenbären sind eher Einzelgänger, aber dafür verbringe ich, solange ich noch klein bin, umso mehr Zeit mit meiner Mama Estrella. Sie kümmert sich echt toll um mich. Da es draußen noch zu kalt ist, kuscheln wir uns in unserem Innengehege zusammen. Beim Schlafen deckt sie mich dann mit ihrem buschigen Schwanz zu, um mich warm zu halten. Damit ich trotzdem genügend frische Luft bekomme, hebt sie ab und zu den Schwanz und belüftet so meinen Schlafplatz zwischen ihrem Bauch und ihren Vorderbeinen. Wenn mir doch mal etwas nicht passt gebe ich einen lauten Schrei von mir! Dann kommt sie ganz schnell, um nach mir zu sehen. Video: Petra Oppermann

Nach der leckeren Mahlzeit: Ruhepause. Foto: Petra Oppermann / Zoo Magdeburg

24. Februar 2021

Liebes Tagebuch,

Heute habe ich meine Mama mal genauer beim Fressen beobachtet. Du glaubst ja gar nicht was sie für eine lange Zunge hat! Sie misst fast 60 Zentimeter. Ob meine Zunge auch mal so lang wird? Sie benutzt ihre Zunge, um damit Brei aus einer Schüssel zu lecken. Er besteht wohl aus fast 30 Zutaten und ist ein guter Ersatz für die vielen Ameisen und Termiten, die wir in der Wildnis fressen würden.

Ein erwachsener Ameisenbär ernährt sich täglich von 35.000 Ameisen. Das klingt viel, sind aber am Ende nur 180 Gramm Futter. Irgendwie roch dieser Brei so gut, dass ich mir das genauer ansehen musste. Leider bin ich dabei in die Schüssel gefallen und meine Mama hatte ganz schön zu tun mich wieder sauber zu lecken.

Ich habe es geschafft - sicher auf dem Rücken der Mutter. Foto: Petra Oppermann / Zoo Magdeburg

23. Februar 2021

Liebes Tagebuch,

Ich bin so stolz auf mich! Mittlerweile klettere ich schon auf den Rücken meiner Mama als wäre es das Einfachste auf der Welt. Am Anfang sah das noch ganz anders aus. Ich wusste einfach nicht, wie ich da hochkommen soll, denn meine Mama ist vom Boden bis zur Schulter immerhin einen halben Meter groß. Immer wieder habe ich es an ihren Vorderbeinen versucht, doch nach drei Tagen kam ich darauf, dass ich die Hinterbeine als Leiter verwenden muss. Da muss man auch erstmal draufkommen… Dass ein kleiner Großer Ameisenbär auf dem Rücken seiner Mama sitzt, ist vor allem in der Wildnis wichtig. Dort sind wir nämlich durch unsere Fellfarbe bestens getarnt und unsere Mütter können uns überall hin mitnehmen. Wenn meine Mama Futter sucht, lässt sie mich aber manchmal auch allein. DOCH nicht mit mir! Ich krabble ihr dann nämlich so schnell ich kann hinterher.

Ein erster Eindruck von mir : hier bin ich 4 Tage alt. Foto: Petra Oppermann / Zoo Magdeburg

22. Februar 2021

Liebes Tagebuch,

Heute vor zwei Wochen bin ich auf die Welt gekommen. Man, war das ein aufregender Tag! Als die Tierpfleger mich neben meiner Mama Estrella liegend entdeckten, staunten sie nicht schlecht, denn so etwas wie mich gibt es im Zoo nicht allzu häufig. Ich bin nämlich ein, zugegeben noch recht kleiner, Großer Ameisenbär und die Zucht und Haltung meiner Art ist in menschlicher Obhut nicht ganz einfach. Umso mehr freuen sich nun alle, dass ich da bin und hoffen, dass es mir weiterhin so gut geht, denn in den ersten Lebenswochen eines Großen Ameisenbären kann viel passieren.  Um meiner Mama und mir ein bisschen Ruhe zu gönnen, haben die Tierpfleger den Einblick in unser Gehege abgedunkelt. Somit muss ich mich noch ein wenig bis zu meinem ersten Besuch gedulden.