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Lisztaffen-Jungtier sitzt im Rückenfell des Vaters_Zoo Magdeburg_Tobias Quast

Vom Aussterben bedroht: Lisztäffchen im Zoo Magdeburg geboren

Aufzucht im Familienverband mit tragender Vaterrolle

Magdeburg, 28.10.2026. Am 19. Oktober 2026 gab es erneut Nachwuchs im Zoo Magdeburg bei den Lisztäffchen. Die zu den südamerikanischen Krallenaffen gehörende Art ist vom Aussterben bedroht.

Vater ist Hauptträger und Teamarbeit
Die Aufzucht des Nachwuchses ist bei den Lisztäffchen echte Teamarbeit. Für das Muttertier ist die Geburt energetisch sehr anstrengend, meist kommen Zwillinge zur Welt. Das Männchen übernimmt die tragende Rolle im wörtlichen Sinne. Es trägt den Nachwuchs überwiegend auf seinem Rücken herum und übergibt die kleinen Äffchen der Mutter nur zum Säugen. Die älteren Geschwister beteiligen sich an der Betreuung und tragen die Jungtiere zeitweise mit – wichtige Erfahrungen für das spätere Leben in der eigenen Familiengruppe. Als tagaktive Baumbewohner sind Lisztäffchen perfekt an das Leben in den Baumkronen angepasst. Ihre vielfältige Nahrung besteht aus Früchten, Knospen, jungen Blättern, Nektar, Insekten sowie kleinen Wirbeltieren wie Baumfrösche und Echsen.

Eine markante Frisur und ein komplexes Familienleben
Seinen deutschen Artenname verdankt der Lisztaffe seiner auffälligen weißen Kopfbehaarung, die an die Frisur des Komponisten Franz Liszt erinnert. Der englische Name bedeutet etwa Baumwollkopf und trifft ebenso zu. Das Familienleben dieser kleinen Primaten ist sehr komplex, es herrscht eine klare Hierarchie in der Familie. Nur das dominante Zuchtpaar pflanzt sich fort. Duftstoffe des Zuchtweibchens tragen dazu bei, die Fortpflanzung anderer erwachsener Weibchen innerhalb der Gruppe zu unterdrücken.

In der Natur vom Aussterben bedroht
In ihrer kolumbianischen Heimat sind Lisztaffen bis auf wenige zersplitterte Restpopulationen fast ausgerottet. Der Schutz der Lisztaffen erfordert nicht nur den Erhalt einzelner Tiere, sondern auch den Schutz und die Vernetzung ihrer natürlichen Lebensräume. Das kolumbianische Schutzprojekt Proyecto Titi verbindet wissenschaftliche Feldforschung mit Bildungsinitiativen und der Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung. Wiederaufgeforstete Waldkorridorre sollen isolierte Waldinseln miteinander verbinden und so den genetischen Austausch zwischen den Lisztäffchengruppen fördern. Die Abholzung für Brennholz wird mit verschiedenen Maßnahmen wie der Bereitstellung von energieeffizienten Kochstellen, reduziert. Bildungsprogramme, speziell an den Schulen in Atlántico und Bolívar, sensibilisieren Kinder und Jugendliche für den Waldschutz und dem Arterhalt der Lisztäffchen. Sie vermitteln, wie eng die Zukunft einer bedrohten Tierart mit dem verantwortungsvollen Umgang der natürlichen Ressourcen verbunden ist.

Wichtige Bausteine im Artenschutz: Forschung, Bildung und Arterhalt
Der Zoo Magdeburg übernimmt Verantwortung für den Erhalt der Lisztäffchen. Im Rahmen des Ex-situ-Programms für Lisztäffchen stärkt der Zoo die genetische Reservepopulation. Eine möglichst hohe genetische Vielfalt ist die Basis dafür, die Art langfristig zu sichern. Mit Forschung, optimierender Tierhaltung- und Pflege sowie Bildungsarbeit tragen Zoos zum Schutz bedrohter Tierarten bei. Nachhaltiger Artenschutz beginnt mit Wissen: Wer die Lebensweise der Tiere tiefgründig kennt und die Gefährdung ihrer Lebensräume versteht, der weiß, warum ihr Schutz unverzichtbar ist.

Veranstaltungstipps (Auszug) im Zoo Magdeburg

  • 13.11.2026: Nachtsafari im Zoo
  • 21.11./12.12.2026 AFRICAMBO Abend bei den Elefanten