Brillenpinguin-Küken wächst in Aufzucht durch Menschenhand heran
Vom Aussterben bedrohter Brillenpinguin-Bestand rasant rückläufig
Magdeburg, 20. Februar 2026. Flauschig-grau ist das Flaumkleid des jüngsten Nachwuchses im Zoo Magdeburg: ein Brillenpinguin. „Das Küken hatte keinen einfachen Start ins Leben. Durch die langanhaltenden Nachtfröste hat das Pinguinpärchen das Nest verlassen, das Ei wurde von den Tierpflegern gerettet und in den Brüter verbracht. Es schlüpfte am 20. Januar 2026 im Brutkasten und wird aktuell von der Revierleiterin Annett Schwabe aufgezogen. Seinen Artgenossen im südlichen Afrika hingegen stehen rasant am Abgrund des Aussterbens und kämpfen ums Überleben“, erklärt Zoodirektor David Pruß, Ph.D. Die Brillenpinguin-Population ist in den vergangenen drei Jahrzehnten um rund 80 Prozent eingebrochen auf 19.800 Brillenpinguine (Quelle: IUCN-Redlist, 4.7.2024). Die Weltnaturschutzunion (IUCN) stufte diese Tierart im Jahr 2024 vom Bedrohungsstatus stark gefährdet auf vom Aussterben bedroht hoch.
Steine statt Fische – problematische Nahrungsknappheit bei den Brillenpinguinen in Südafrika
„Aufhorchen lässt eine aktuelle Meldung der Seevogelschutzstation Southern African Foundation fort he Conservation of Coastal Birds (SANCCOB) Anfang Februar 2026: Der Rückgang der Fischbestände aufgrund der Klimakrise und des kommerziellen Fischfangs hat fatale Folgen: Südafrikas Pinguinen fehlt die Nahrung“, erklärt Zoodirektor David Pruß, Ph.D. weiter. Inzwischen finden SANCCOB-Mitarbeiter in den Pinguin-Mägen kleine Steine. „Die Eltern waren so verzweifelt, ihre Babys zu füttern, dass sie ihnen Steine gaben“, sagt Robyn Fraser-Knowles von SANCCOB. Auch verlassene Küken fressen oft Steine oder Sand und sind immer häufiger auf sich allein gestellt aufgrund extremer Wetterbedingungen, Raubtiere und längere Wege bei der Nahrungssuche. Stirbt dabei ein Elternteil, muss der andere das Küken verlassen, um Futter zu suchen. Die Pinguine verfügen zunehmend über weniger Fettreserven durch das schrumpfende Nahrungsangebot infolge der Überfischung und haben Probleme die jährliche Mauserzeit, bei der Pinguine ihre Federn erneuern, zu überstehen. Die Pinguinkolonien in Südafrika sind geschwächt und leichte Beute für Robben und Haie. Ölverschmutzung, Plastikmüll und Krankheiten wie die Vogelgrippe und Malaria verschärfen die Situation weiter.
Artenschutz weltweit vor Ort – Zoo Magdeburg unterstützt SANCCOB in Südafrika
Der Zoo Magdeburg unterstützt mit einem Teil der Einnahmen aus dem Artenschutz-Euro die gemeinnützige Organisation SANCCOB (Southern African Foundation for the Conservation of Coastal Birds) deren Hauptziel darin besteht, den Rückgang der Seevogelpopulationen, vor allem der Brillenpinguine, umzukehren. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Schutz, der Rettung und Rehabilitation kranker, verletzter, verwaister und verölter Seevögel und der Vorbereitung der Wiederauswilderung der Brillenpinguine einhergehend mit der Wiederherstellung ihres natürlichen Lebensraums. Erst wenn die Bedrohungsursachen beseitigt sind, kann nachhaltig die Wiederansiedlung mit größeren Populationen erfolgsversprechend sein. Ob dies beim Brillenpinguin gelingt, hängt von der Verhaltensänderung des Menschen ab: Fischkonsum aus nachhaltigem Fang, kein Dünger mit Guano nutzen, Klimaschutz erstnehmen ua.
Der Zoo Magdeburg beteiligt sich seit 13 Jahren am Europäischen Erhaltungszucht-programm (EEP) für Brillenpinguine. Auf Empfehlungen des EEP’s erfolgt in Magdeburg koordiniert und gezielt die Vermehrung der Brillenpinguine. Damit ein gesunder Genpoool erhalten bleibt, werden Tiere aus der Pinguinkolonie getauscht mit anderen Zoos, die am EEP beteiligt sind. Gegenwärtig leben 22 Pinguinen in der Brillenpinguinkolonie.
Über den Zoo Magdeburg
Seit seiner Gründung im Jahr 1950 zählt der Zoo Magdeburg zu den artenreichsten Zoos Mitteldeutschlands. Auf rund 20 Hektar leben über 700 Tiere aus 177 Arten. Der Zoo engagiert sich aktiv im internationalen Artenschutz, beteiligt sich an 70 internationalen Zuchtprogrammen und unterstützt zehn Artenschutzprojekte.
Pressekontakt
Zoo Magdeburg – Pressesprecherin
Dipl.-Ing. Regina Jembere
Tel.: 0391 / 28090-2510
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